Die Umweltbibliothek und die Wendezeit

Mitte der 1980er Jahre machte die Zionsgemeinde durch ihre offene Sympathie für die politische Opposition in der DDR Schlagzeilen.

UmweltbibliothekDer damalige Gemeindepfarrer Simon stellte 1986 der sogenannten Umweltbibliothek Kellerräume im Gemeindehaus in der Gribenowstraße zur Verfügung. Die Umweltbibliothek erwuchs aus der Friedens-, Umwelt und Dritte-Welt-Bewegung der DDR und wollte als halböffentliche Einrichtung Aufklärungsarbeit zu diesen und weiteren gesellschaftlich brisanten Themen leisten.

In den Räumen der Zionsgemeinde wurde eine Präsenzbibliothek eingerichtet und darüber hinaus Lesungen, Ausstellungen sowie Konzerte mit regimekritischer Tendenz veranstaltet. Schließlich publizierte man die halblegalen ‚Umweltblätter', die bis zum Mauerfall 1989 zur wichtigsten und am weitesten verbreiteten Zeitschrift der DDR-Opposition avancierten.

All das waren ausreichend Gründe für die Absicht des DDR-Staates, dem suspekten ‚Friedens- und Umweltkreis der Zionsgemeinde' ein Ende zu bereiten: Vertreter der Staatssicherheit drangen in der Nacht vom 24. zum 25. November 1987 in die Räume der Gribenowstraße ein. Im Zuge dieser ‚Durchsuchungsaktion' wurden auch zwei Mitarbeiter der Umweltbibliothek verhaftet. Ein Proteststurm aus dem ganzen Land und die Reaktion der internationalen Medien bewirkten schließlich die baldige Freilassung der Inhaftierten.

Die Zionskirche blieb dem DDR-Regime weiterhin ein Dorn im Auge: unter dem Vorwand baupolizeilicher Mängel wurde der Turm- und Eingangsbereich auf Veranlassung der Staatssicherheit gesperrt, so dass in der Zionskirche aufgrund fehlender Fluchtwege keine größeren Veranstaltungen mehr stattfinden durften.

In der weiteren Zeit bis zum Fall der Berliner Mauer gewann entsprechend die Gethsemane-Kirche am Prenzlauer Berg zunehmend Bedeutung für die Aktivitäten der Umweltbibliothek.

Die Lage der Kirche auf einer Google-Map / Satellitenansicht

Fotogalerie auf den Seiten des Kulturbüro SOPHIEN

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