Entstehung der Gemeinde und Bau der Zionskirche

Wilhelm I.Die Arbeiterviertel, welche die Industrialisierung in Berlin mit sich brachte, waren den preußischen Eliten, allen voran König Wilhelm I., Anlass genug, um sich im Kirchbau finanziell zu engagieren. Das lässt sich an der Zionsgemeinde gut illustrieren. Zion war zu seiner Gründung eng verbunden mit dem preußischen Staat. Als Votivkirche - gestiftet von oben erwähntem König - hingen die Geldflüsse von militärischen Erfolgen Preußens ab.

Die Gemeinde wurde 1864 gegründet. Ihre Muttergemeinde ist St. Elisabeth. Bereits in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts hatte die St. Elisabeth-Gemeinde zur Versorgung ihrer nordöstlichen Gebiete eine ehemalige Gaststätte in der Schönhauser Allee gekauft, die unter dem Namen Zionskapelle als Gottesdienstort diente. Seit 1863 wurde ein Kirchenneubau betrieben. Die in dieser Zeit zahlreichen Kirchbauten hatten neben ihrer seelsorgerlichen auch stadtplanerische Funktion: sie sollten den neu entstehenden Wohngebieten Struktur geben.

1864 erklärte Wilhelm I., in jeder der Provinzen Preußens je eine Kirche zu stiften, offiziell als Dank dafür, bei einem misslungenen Attentat im Jahr 1861 mit dem Leben davongekommen zu sein. In Berlin sollte das Geld aus dem vom König zum Kirchenbau errichteten Fonds der Zionskirche zugute kommen. Zunächst übernahm Wilhelm I. damit die Hälfte der Baukosten.

Die Planungen begannen unter der Federführung des Architekten August Orth. Als Bauort wurde die damals höchste Erhebung Berlins gewählt. Heute wird der Zionskirchplatz nur durch die Trümmerberge der Stadt überragt. Der Bau des 67 m hohen Turmes wurde 1865/66 schließlich auch von Wilhelm I. gestiftet. Anlass war dieses Mal der Sieg Preußens über Dänemark.

Im Jahre 1866, nach der Dacheindeckung des Rohbaus, war kein Geld mehr vorhanden. Die Bauarbeiten kamen für mehrere Jahre zum Stillstand, bis 1871 durch den Sieg Preußens über Frankreich wieder neues Geld in die Kassen des preußischen Staates gespült wurde, wovon auch die Zionskirche ihren Teil erhielt. 1873 wurde das Gebäude vollendet und am 2. März, dem Jahrestag der Unterzeichnung des Friedensvertrages mit Frankreich, in Anwesenheit des Kaisers eingeweiht.

In der zuvor wenig bebauten Gegend um die Zionskirche entstand in wenigen Jahren ein dicht besiedeltes Arbeiterviertel. Um 1900 waren vier Pfarrer für 100 000 Gemeindeglieder zuständig, für die die zwei Gottesdienste am Sonntag in der mit 1400 Sitzplätzen ausgestatteten Zionskirche kaum ausreichten.

Ganz früh begann in Zion auch die Praxis sonntäglicher Kindergottesdienste. Etwa durch die Einrichtung des ersten Kindergartens von Berlin zeigte die Zionsgemeinde, dass sie sich den sozialen Realitäten der Kleinfamilie und der industriellen Arbeit stellte und als christliche Gemeinde Lösungen für den wachsenden Bedarf an Kinderbetreuung suchte.

 

Die Lage der Kirche auf einer Google-Map / Satellitenansicht

Fotogalerie auf den Seiten des Kulturbüro SOPHIEN

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