Die Sophienkirche als Denkmal barocken Kirchenbaus

Sophien. Neuer Turm. 1735. Federzeichnung Die Sophienkirche wurde 1712/13 als so genannter "Quersaalbau" errichtet: der einfache rechteckige Bau von sieben mal drei Fensterachsen besaß Eingänge in der Mitte jeder Front, innen umlief eine hölzerne Empore alle Seiten, Kanzel und Altar standen mittig an der Südseite, das Gestühl dorthin ausgerichtet. Der protestantische Kirchenraum war wesentlich auf die Predigt ausgerichtet: Der Prediger sollte gut zu sehen und zu hören sein.

Nach holländischem Vorbild waren in Berlin bis dahin Zentralbauten, meist über einem griechischen Kreuz als Grundrissform, gebaut worden. Die Sophienkirche zählt zu den frühesten Quersaalbauten. Diese Form sollte dann bestimmend für protestantische Pfarrkirchen bis ins frühe 19. Jahrhundert werden.

Die Kirche war zunächst turmlos, einige Nachrichten deuten darauf hin, dass vor dem Südeingang eine Vorhalle mit Turmaufsatz geplant war. 1730?35 ließ König Friedrich Wilhelm dem Kirchturm vor der Westwand errichten. Der Architekt war Johann Friedrich Grael. Der Turm erreicht eine Höhe von 69 Metern und ist bis zur Haube hin massiv gemauert. In handwerklich-technischer wie auch gestalterischer Hinsicht ist seine Qualität außerordentlich, heute umso mehr bedeutend, als über fast 300 Jahre nur wenig verändert wurde. Er ist heute das einzige erhaltene Beispiel eines großen Turmbauprogramms, welches der Soldatenkönig für seine Residenz Berlin verfolgte.

Acht Kirchtürme wurden unter seiner Herrschaft in Berlin errichtet. Es ist wohl leicht nachvollziehbar, dass hierfür ein nicht unbedeutendes handwerkliches und ingenieurtechnisches Potential zusammengeführt werden musste. Der Berliner Baugrund ist schwierig, das Scheitern von Schlüters Münzturmprojekt (1709) war noch gegenwärtig. 1734, also während der Sophienkirchtum wuchs, stürzte der als höchster Turm der Welt geplante Petrikirchturm noch nicht halbfertig ein. Zu dessen Entwurf zeigt der Turm von Sophien viele Übereinstimmungen, so dass man ihn wohl als dessen ? gelungenen ? kleinen Bruder betrachten kann.

Der Turm gliedert sich in ein Sockelgeschoss in Höhe des Kirchenschiffs, zwei relativ sparsam gegliederte Geschosse, darüber zwei weitere mit Säulen umstandene Geschosse und eine sehr lebhaft geschwungene Haube. Die einzelnen Geschosse sind in Struktur und Proportionen eng aufeinander bezogen, in regelmäßigen Schritten streben sie empor, dabei immer "leichter" werdend, bis sich die Masse in den den Schwüngen der Haube vollständig auflöst.

In der kunstgeschichtlichen Beschreibung hat der Sophienturm (anders als das Kirchenschiff) immer hohe Wertschätzung gefunden. Verbindungen wurden nicht nur zum Petrikirchturm sondern auch zu Schlüters Münzturmprojekt hergestellt.

Die Lage der Kirche auf einer Google-Map / Satellitenansicht

360Grad-Ansichten

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