Entwicklungen in der Gemeinde

Die Golgatha-Gemeinde entstand, als der massenhafte Zuzug neuer Gemeindeglieder eine eigenständige Parochie sinnvoll und notwendig erscheinen ließ und Golgatha sich 1877 von der Mutterkirche St. Elisabeth löste. Die Existenzform als eigenständige Gemeinde endete 1999 durch den Zusammenschluss mit Nachbargemeinden, seit Januar 2000 unter dem heute gültigen Namen Evangelische Kirchengemeinde am Weinberg. Anlass für die Fusion war die Einsicht, nur als Großgemeinde ein breites Spektrum qualifizierter Gemeindearbeit anbieten und so den aktuellen Herausforderungen besser entsprechen zu können.

Der heute allseits beklagte Mitgliederschwund der Kirchen hielt in Golgatha schon Ende des 19. Jahrhunderts Einzug. Das proletarisch geprägte Golgatha war in dieser Zeit stärker davon betroffen als Gemeinden in bürgerlichen Gegenden Berlins. 1928 lag die Zahl noch bei knapp 26000 Mitgliedern (um 1890 waren es etwa 35000). In dieser Zeit erwarb die Gemeinde zwei Grundstücke in unmittelbarer Nähe der Kirche (Borsigstr. 5 und Tieckstr. 17) die seitdem (auch) für gemeindliche Zwecke genutzt werden.

Die Epoche des Nationalsozialismus war auch für die Golgatha-Gemeinde ein dunkles Kapitel. Zwar äußerten die in dieser Zeit amtierenden drei Pfarrer vor Gemeindegliedern ihre Sympathie zur NS-kritischen Bekennenden Kirche. Aber auch sie konnten die einschneidenden Maßnahmen des totalitären Staates gegenüber der Kirche (z.B. Auflösung eigenständiger Jugendarbeit) nicht verhindern, zumal der Gemeindekirchenrat wie fast in ganz Berlin von Anhängern der regimekonformen Deutschen Christen dominiert war.

Mit der Teilung der Stadt, definitiv mit der Errichtung der Berliner Mauer 1961, verlor die Golgathagemeinde einige Straßenzüge, die dem Westberliner Stadtbezirk Wedding zugeschlagen wurden. Die in Golgatha tätigen Gemeindeschwestern konnten von da an ihr Mutterhaus in der Bernauer Straße nicht mehr erreichen. Während der Zeit des DDR-Staates bemühte sich die Gemeinde immer wieder, auch Themen zu finden, welche die Staatsideologie, den absoluten Wahrheitsanspruch des dialektischen Materialismus in Frage stellten. Gerade Jugendlichen bot sie damit die Möglichkeit, sich gegenüber der allgegenwärtigen Indoktrinierung geistige Freiräume zu bewahren.

Die Zeit der Wende wurde zu einem Höhepunkt der Gemeindegeschichte. Bereits sieben Jahre vor dem Mauerfall begann man, in der Golgatha-Kirche regelmäßige Friedensgebete abzuhalten. Seit Herbst 1987 spitzte sich die Situation zu. In der Golgatha-Kirche fand ein Liederabend mit Stefan Krawczyk und Freya Klier statt, Friedensgruppen machten dort eine Ausstellung, in Räumen der Gemeinde wurde zur Gründung einer sozialdemokratischen Partei aufgerufen, man ließ einen Experten zum Thema ‚Perestroika' vortragen…
9. November 1989: Mauerfall.

Danach füllt sich die Kirche noch einige, wenige Male zu politischen Themen, z.B. als Johannes Rau im Februar 1990 über die politische Verantwortung des Christen spricht.

Die Lage der Kirche auf einer Google-Map / Satellitenansicht

360Grad-Ansichten

Seite drucken